Mittwoch, 30. Juli 2014

Malfarben herstellen / Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments

Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments


Selbstverständlich kann man mit den in Schritt 1 hergestellten Farbstofflösungen auf gut saugenden Untergründen bereits malen.  Wer aber etwas anspruchsvoller bei der Auswahl der Untergründe und der Farbgestaltung ist, kommt nicht umher diese Farbstofflösungen weiter zu einem Pigment zu verarbeiten.


benötigtes Material:
1 Kochtopf (mind. 3l)
50g Kaliumaluminiumsulfat (Alaun) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
15g Natriumcarbonat (Soda) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
10g Indigo
30g Eichenrinde geschrotet
10g Calciumcarbonat (Kreide)
gut verschliessbare Blechdose (z.B. Pullmoll)
sehr dünner Schraubendreher (2-3mm Durchmesser)
1 Löffel
1 Schüssel (1 bis 1,5l)
1 Schälchen
1 Sieb
1 Abseihtuch
1 Reibschale mit Pistill
1 Thermometer
Wasser


0,1l heißes Wasser in ein Schälchen geben, 50g Kaliumaluminiumsulfat zugeben und solange umrühren, bis sich das Kaliumaluminiumsulfat vollständig aufgelöst hat.
Die aus Schritt 1, Beispiel 1 gewonnene Farbstofflösung (Krappwurzel) in den Kochtopf geben und ggf. mit Wasser bis auf ca. 0,3l auffüllen. Die Farbstofflösung auf 60°C erwärmen, die Temperatur halten und die Kaliumaluminiumlösung unter rühren hinzugeben. Der Farbstoff bindet sich nun an das Kaliumaluminiumsulfat und "fällt" aus.
Nach ein paar Minuten ist dieser Vorgang abgeschlossen.

0,15l warmes Wasser in ein Schälchen geben, 15g Natriumcarbonat unter rühren hinzugeben und solange umrühren, bis sich das Natriumcarbonat vollständig aufgelöst hat.
Die Natriumcarbonatlösung in die 60°C warme Farbstofflösung vorsichtig und etappenweise unter rühren zugeben.

Die beiden Lösungen reagieren miteinander und können unter Umständen heftig aufschäumen. Es bietet sich an diese Prozedur in einer Spüle durchzuführen und dabei Handschuhe und Schutzbrille zu tragen. Der Topf sollte deshalb nicht zu klein gewählt sein. Sollte sich, trotz weiterer Zugabe der Natriumcarbonatlösung, kein neuer Schaum bilden, ist die Zugabe der Natriumcarbonatlösung einzustellen. Natriumcarbonat wirkt in Verbindung mit Wasser basisch. Viele pflanzliche Farbstoffe sind aber laugenempfindlich und würden durch einen zu hohen pH-Wert zerstört werden.
Ist diese Reaktion abgeschlossen, hat sich aus dem Kaliumaluminiumsulfat und dem Natriumcarbonat ein Feststoff (Tonerdehydrat) gebildet, an dem nun unser Farbstoff gebunden ist.

Den Schaum unterrühren und das gerade gewonnene Pigment mit Hilfe des Siebes und dem Abseihtuch abseihen. Die abgeseihte Flüssigkeit sollte im optimalen Fall klar sein, wird allerdings nicht mehr benötigt und kann verworfen werden. Die im Abseihtuch zurückgebliebene Masse gut abtropfen lassen, anschließend mit einem Löffel abschaben, in einer flachen Schale verteilen und vollständig austrocknen lassen.
Ebenso wird mit der Farbstofflösung aus Schritt 1, Beispiel 2 verfahren (Reseda).

Nun haben wir also ein Farbpigment, welches allerdings noch recht grob ist und wenn man nicht gerade eine Pigmentmühle sein Eigen nennt, dann muss dieses noch in einer Reibschale zu feinem Pulver verarbeitet werden. Dazu wird das Pigment in der Reibschale mit dem aufrecht gehaltenen Pistill, mit kreisenden Bewegungen, bis zur gewünschten Pigmentgröße gerieben.

An dieser Stelle greifen wir auch wieder den Indigo-Farbstoff auf. Wie schon geschrieben ist Indigo ein fester Farbstoff, welcher bereits aus der Indigopflanze extrahiert wurde und somit schon als Pigment vorliegt. Dieser Farbstoff wurde bereits extrahiert, da er nicht als Indigo in der Pflanze enthalten ist, sondern als Indican, eine Vorstufe des Indigo. Durch Umwandlung in mehreren Schritten wird dann daraus letztendlich der gewünschte Farbstoff Indigo.
Dieser wird ebenso in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zerrieben.

Somit haben wir unsere 3 Grundfarben (rot, gelb, blau) als Pigmente vorliegen. Aber um eine möglichst große Palette an Farben mischen zu können fehlen uns noch zwei weitere Farben. Schwarz, um Farben abdunkeln zu können und weiß, um Farben aufhellen zu können.

Um ein schwarzes Pigment herzustellen nimmt man sich eine Blechdose und sticht mit einem dünnen Nagel ein Loch in den Deckel. In diese Blechdose legt man 30g Eichenrinde, verschließt die Dose mit dem Deckel und legt sie in die Restglut eines Grills oder eines Lagerfeuers. Hat man beides nicht zur Hand, geht es auch auf einem kleinem Camping- oder Esbit-Kocher. Nach kurzer Zeit tritt aus dem Loch Qualm aus, ein Zeichen dafür, dass die Rinde unter Luftabschluss beginnt zu verkohlen.
Erst wenn kein Qualm mehr austritt ist die Verkohlung abgeschlossen und die Dose wird der Glut entnommen. Wichtig ist, dass das Loch nun am besten mit einem Holzspan verschlossen wird, damit kein Sauerstoff eindringen kann. Ansonsten würde die Kohle unter Umständen verbrennen und nur Asche zurückbleiben.
Ist die Dose abgekühlt kann diese geöffnet werden und die Kohle entnommen werden. Diese Kohle wird wie die anderen Pigmente in der Reibschale zu feinem Pulver zermahlen.

Um ein weißes Pigment herzustellen müssen wir leider auf die Pflanzen verzichten, denn es gibt keinen weißen pflanzlichen Farbstoff.
Dafür hilft uns aber ein jedem bekanntes Pigment, das Calciumcarbonat. Damit ist aber nicht die Kreide zum Malen an der Schultafel gemeint, sondern das Sedimentgestein aus welchem z.B. die Kreidefelsen auf Rügen bestehen.
Die Schulkreide besteht in der Regel aus Calciumsulfat.
Das Calciumcarbonat wird, ebenso wie das Indigo, einfach in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zermahlen.

Jetzt haben wir alle nötigen Farbpigmente um eine große Palette an Farben herzustellen.
In Schritt 3 erkläre ich dann, wie man aus den Pigmenten eine malfähige Farbe erstellt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen