Donnerstag, 31. Juli 2014

Malfarben herstellen / Anhang - Liste von Pflanzenteilen

Es gibt sehr viele Pflanzen, oder deren Teile, aus denen man eine Farbe oder ein Farbpigment herstellen kann. Diese (unvollständige) Liste soll eine Idee von der riesigen Auswahl geben und zeigen, welche Farben erreicht werden können.


geeignete Pflanzen und Pflanzenteile:

Alkannawurzel / rot bis violett
Annattosaat / orange
Blauholz / violett
Drachenpalmharz / rot
Eichenrinde / schwarz bis braun
Heidekraut / gelb
Färberginster / gelb
Kamillenblüten / gelb
Krappwurzel / rot bis rotbraun
Faulbaumrinde / dunkelbraun
Frauenmantelkraut / gelb
Gallapfel / schwarz
Gelbholz /gelb
Granatapfelschale / gelb bis braun
Hibiskusblüten / purpur
Holunderbeeren / violett
Indigo / blau
Johanniskraut / gelb
Klatschmohnblüten / rot bis purpur
Kurkumawurzel / gelb
Rainfarnkraut / gelb
Reseda / gelb
Rhabarberwurzel / rot
Saflorblüten / rot bis gelb
Spinat / grüngelb
Walnussschale / braun
Zwiebelschale / gelb

Mittwoch, 30. Juli 2014

Malfarben herstellen / Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe

Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe


Nachdem wir nun unsere 5 Farbpigmente hergestellt haben, wollen wir diese auch im letzten Schritt zu einer malfähigen Farbe verarbeiten. Diese Farbe ist auch für einen längeren Zeitraum (gut verschlossen / kühl und dunkel) lagerfähig. Als Behälter empfehlen sich z.B. kleine Töpfchen aus Braunglas mit Schraubdeckel.


benötigtes Material:
5 Braunglastöpchen mit Schraubdeckel
1 Schälchen
1 Löffel
destilliertes Wasser
Gummi Arabicum
Calciumcarbonat


Wir lösen ein Teil Gummi Arabicum in 2 Teile destilliertes Wasser auf und fügen dann soviel von dem Farbpigment bei, bis ein dicker Brei entsteht. Diesen lassen wir in dem Braunglastöpchen trocknen. Man sollte darauf achten, daß man nicht zuviel Gummi Arabicum nimmt, da die Farbe sonst zu spröde wird und sich nicht gut mit dem nassen Pinsel lösen lässt.
Diesen Vorgang wiederhohlen wir mit allen unseren bisherigen Farbpigmenten.

Möchte man statt einer lasierenden Farbe eine deckende Farbe herstellen, so kann man zusätzlich zum Pigment noch einen Füllstoff wie z.B. Calciumcarbonat beifügen. Je mehr Füllstoff beigefügt wird, desto pastelliger wird die Farbe.

Da jeder seine eigenen Vorlieben hat was die Zusammensetzung der Farben betrifft, muss man ein wenig probieren bis man seine Rezeptur gefunden hat.

Ich wünsche euch viel Spass bei der Herstellung der Farben und beim Malen...
Wer seine ersten Werke mit den Pflanzenfarben fertiggestellt hat, kann mir gerne ein Foto davon zuschicken, damit ich es hier veröffentlichen kann.


Stefan





Malfarben herstellen / Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments

Schritt 2 - Herstellen des Farbpigments


Selbstverständlich kann man mit den in Schritt 1 hergestellten Farbstofflösungen auf gut saugenden Untergründen bereits malen.  Wer aber etwas anspruchsvoller bei der Auswahl der Untergründe und der Farbgestaltung ist, kommt nicht umher diese Farbstofflösungen weiter zu einem Pigment zu verarbeiten.


benötigtes Material:
1 Kochtopf (mind. 3l)
50g Kaliumaluminiumsulfat (Alaun) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
15g Natriumcarbonat (Soda) (je Farbstofflösung aus Schritt 1)
10g Indigo
30g Eichenrinde geschrotet
10g Calciumcarbonat (Kreide)
gut verschliessbare Blechdose (z.B. Pullmoll)
sehr dünner Schraubendreher (2-3mm Durchmesser)
1 Löffel
1 Schüssel (1 bis 1,5l)
1 Schälchen
1 Sieb
1 Abseihtuch
1 Reibschale mit Pistill
1 Thermometer
Wasser


0,1l heißes Wasser in ein Schälchen geben, 50g Kaliumaluminiumsulfat zugeben und solange umrühren, bis sich das Kaliumaluminiumsulfat vollständig aufgelöst hat.
Die aus Schritt 1, Beispiel 1 gewonnene Farbstofflösung (Krappwurzel) in den Kochtopf geben und ggf. mit Wasser bis auf ca. 0,3l auffüllen. Die Farbstofflösung auf 60°C erwärmen, die Temperatur halten und die Kaliumaluminiumlösung unter rühren hinzugeben. Der Farbstoff bindet sich nun an das Kaliumaluminiumsulfat und "fällt" aus.
Nach ein paar Minuten ist dieser Vorgang abgeschlossen.

0,15l warmes Wasser in ein Schälchen geben, 15g Natriumcarbonat unter rühren hinzugeben und solange umrühren, bis sich das Natriumcarbonat vollständig aufgelöst hat.
Die Natriumcarbonatlösung in die 60°C warme Farbstofflösung vorsichtig und etappenweise unter rühren zugeben.

Die beiden Lösungen reagieren miteinander und können unter Umständen heftig aufschäumen. Es bietet sich an diese Prozedur in einer Spüle durchzuführen und dabei Handschuhe und Schutzbrille zu tragen. Der Topf sollte deshalb nicht zu klein gewählt sein. Sollte sich, trotz weiterer Zugabe der Natriumcarbonatlösung, kein neuer Schaum bilden, ist die Zugabe der Natriumcarbonatlösung einzustellen. Natriumcarbonat wirkt in Verbindung mit Wasser basisch. Viele pflanzliche Farbstoffe sind aber laugenempfindlich und würden durch einen zu hohen pH-Wert zerstört werden.
Ist diese Reaktion abgeschlossen, hat sich aus dem Kaliumaluminiumsulfat und dem Natriumcarbonat ein Feststoff (Tonerdehydrat) gebildet, an dem nun unser Farbstoff gebunden ist.

Den Schaum unterrühren und das gerade gewonnene Pigment mit Hilfe des Siebes und dem Abseihtuch abseihen. Die abgeseihte Flüssigkeit sollte im optimalen Fall klar sein, wird allerdings nicht mehr benötigt und kann verworfen werden. Die im Abseihtuch zurückgebliebene Masse gut abtropfen lassen, anschließend mit einem Löffel abschaben, in einer flachen Schale verteilen und vollständig austrocknen lassen.
Ebenso wird mit der Farbstofflösung aus Schritt 1, Beispiel 2 verfahren (Reseda).

Nun haben wir also ein Farbpigment, welches allerdings noch recht grob ist und wenn man nicht gerade eine Pigmentmühle sein Eigen nennt, dann muss dieses noch in einer Reibschale zu feinem Pulver verarbeitet werden. Dazu wird das Pigment in der Reibschale mit dem aufrecht gehaltenen Pistill, mit kreisenden Bewegungen, bis zur gewünschten Pigmentgröße gerieben.

An dieser Stelle greifen wir auch wieder den Indigo-Farbstoff auf. Wie schon geschrieben ist Indigo ein fester Farbstoff, welcher bereits aus der Indigopflanze extrahiert wurde und somit schon als Pigment vorliegt. Dieser Farbstoff wurde bereits extrahiert, da er nicht als Indigo in der Pflanze enthalten ist, sondern als Indican, eine Vorstufe des Indigo. Durch Umwandlung in mehreren Schritten wird dann daraus letztendlich der gewünschte Farbstoff Indigo.
Dieser wird ebenso in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zerrieben.

Somit haben wir unsere 3 Grundfarben (rot, gelb, blau) als Pigmente vorliegen. Aber um eine möglichst große Palette an Farben mischen zu können fehlen uns noch zwei weitere Farben. Schwarz, um Farben abdunkeln zu können und weiß, um Farben aufhellen zu können.

Um ein schwarzes Pigment herzustellen nimmt man sich eine Blechdose und sticht mit einem dünnen Nagel ein Loch in den Deckel. In diese Blechdose legt man 30g Eichenrinde, verschließt die Dose mit dem Deckel und legt sie in die Restglut eines Grills oder eines Lagerfeuers. Hat man beides nicht zur Hand, geht es auch auf einem kleinem Camping- oder Esbit-Kocher. Nach kurzer Zeit tritt aus dem Loch Qualm aus, ein Zeichen dafür, dass die Rinde unter Luftabschluss beginnt zu verkohlen.
Erst wenn kein Qualm mehr austritt ist die Verkohlung abgeschlossen und die Dose wird der Glut entnommen. Wichtig ist, dass das Loch nun am besten mit einem Holzspan verschlossen wird, damit kein Sauerstoff eindringen kann. Ansonsten würde die Kohle unter Umständen verbrennen und nur Asche zurückbleiben.
Ist die Dose abgekühlt kann diese geöffnet werden und die Kohle entnommen werden. Diese Kohle wird wie die anderen Pigmente in der Reibschale zu feinem Pulver zermahlen.

Um ein weißes Pigment herzustellen müssen wir leider auf die Pflanzen verzichten, denn es gibt keinen weißen pflanzlichen Farbstoff.
Dafür hilft uns aber ein jedem bekanntes Pigment, das Calciumcarbonat. Damit ist aber nicht die Kreide zum Malen an der Schultafel gemeint, sondern das Sedimentgestein aus welchem z.B. die Kreidefelsen auf Rügen bestehen.
Die Schulkreide besteht in der Regel aus Calciumsulfat.
Das Calciumcarbonat wird, ebenso wie das Indigo, einfach in der Reibschale bis zur gewünschten Pigmentgröße zermahlen.

Jetzt haben wir alle nötigen Farbpigmente um eine große Palette an Farben herzustellen.
In Schritt 3 erkläre ich dann, wie man aus den Pigmenten eine malfähige Farbe erstellt.

Malfarben herstellen / Schritt 1 - Herstellen einer Farbstofflösung

 Schritt 1 - Herstellen der Farbstofflösung


Grundvoraussetzung für eine Malfarbe ist verständlicherweise ein Farbstoff. Dieser ist Teil verschiedener Inhaltsstoffe der Pflanzen und wird dort zu unterschiedlichen Zwecken benötigt. So z.B. das Chlorophyll, welches die Blätter der Pflanzen grün färbt und die Photosynthese überhaupt erst ermöglicht.
Leider ist das Chlorophyll wenig lichtecht und eignet sich daher meistens nur für Anwendungen in Lebensmitteln oder Kosmetika.
Mit der im 1. Schritt gewonnenen Farbstofflösung lässt sich auch schon auf gut saugenden Untergründen malen, ist aber für etwas anspruchsvollere Arbeiten nicht zu gebrauchen.

Bitte bei den Arbeiten immer auf Sicherheit und gute Durchlüftung achten!


benötigtes Material:
1 Kochtopf mit Deckel (mind. 2l)
1 Thermometer
1 Rührstab oder Löffel
1 Schüssel (mind. 1,5l)
1 Sieb
1 Abseihtuch
100g getrocknete Pflanzenteile (je Farbe)
Wasser


Beispiel 1: Krappwurzel (geschnitten, roter Farbstoff)

Die getrocknete Krappwurzel in 1l Wasser im Topf über Nacht einweichen lassen.
Anschließend auf 60°C erwärmen und die Temperatur für 30 Minuten halten, gelegentlich umrühren und danach den Farbstoffsud etwas abkühlen lassen. Damit nicht zu viel Wasser verdampft, sollte der Topf mit einem Deckel verschlossen werden.
Der Farbstoff der Krappwurzel ist temperaturempfindlich und sollte daher, um ein schönes rot zu erhalten, nicht über 70°C erwärmt werden. Ist ein rotbrauner Farbton gewünscht kann die Temperatur auf über 70°C ansteigen. Je höher die Temperatur, desto rotbrauner das Ergebnis.

Das Sieb mit einem feuchten Abseihtuch auslegen, den abgekühlten Farbstoffsud filtern und die Flüssigkeit in der Schüssel auffangen. Der in dem Abseihtuch zurückgebliebene Kuchen wird nicht weiter benötigt und kann dem Kompost oder Restmüll zugeführt werden.
Die Farbstofflösung ist nun erstellt und kann im nächsten Schritt zum Herstellen eines Farbpigments genutzt werden.


Beispiel 2: Reseda (geschnitten, gelber Farbstoff)

Das getrocknete Resedakraut in 1l Wasser im Topf für 1/2 Stunde einweichen lassen.
Anschließend bis leicht kochend erhitzen und die Temperatur für 30 Minuten halten, gelegentlich umrühren und danach den Farbstoffsud etwas abkühlen lassen. Damit nicht zu viel Wasser verdampft, sollte der Topf mit einem Deckel verschlossen werden.

Das Sieb mit einem feuchten Abseihtuch auslegen, den abgekühlten Farbstoffsud filtern und die Flüssigkeit in der Schüssel auffangen. Der in dem Abseihtuch zurückgebliebene Kuchen wird nicht weiter benötigt und kann dem Kompost oder Restmüll zugeführt werden.
Die Farbstofflösung ist nun erstellt und kann im nächsten Schritt zum Herstellen eines Farbpigments genutzt werden.


Mit diesen beiden Beispielen haben wir schon 2 der 3 Grundfarben (rot, gelb, blau). Die dritte Grundfarbe kann mit Hilfe von Indigo hergestellt werden. Aus diesen drei Farben können schon eine ganze Reihe weiterer Farben gemischt werden.
Indigo ist allerdings ein fester, wasserunlöslicher Farbstoff, der bereits aus der Pflanze extrahiert wurde und ist somit schon ein Pigment. Das bedeutet, dass man sich die Arbeit wie bei der Krappwurzel und der Reseda sparen kann.

Tipp:
Wer sich die Arbeit sparen möchte, aus der Krappwurzel und der Reseda den Farbstoff zu extrahieren, kann diese Farbstoffe auch fertig extrahiert kaufen.

Weiter zu Schritt 2...

Malfarben herstellen / Vorwort

Malfarben herstellen / Vorwort

Mit pflanzlichen Farbstoffen kann man nicht nur Fasern einfärben, sondern z.B. auch malfähige Farben herstellen. Hier möchte ich ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie man so etwas angeht.
Benötigt werden dazu unterschiedliche Gerätschaften, wie z.B. Kochtopf, Sieb, Löffel, Schalen, Mörser..., welche anschließend nicht mehr zur Zubereitung von Lebensmitteln genutzt werden dürfen.
Ebenso wichtig ist es, dass die genutzten Gerätschaften vor erneutem Gebrauch gründlich gereinigt wurden. Kleine Unreinheiten, wie Farbstoffreste von der vorherigen Verarbeitung, können das Ergebnis entscheidend beeinflussen.


Diese Anleitung ist untergliedert in mehrere Abschnitte:

Schritt 1 -  Herstellen der Farbstofflösung
Um eine malfähige Farbe herzustellen muss in der Regel zuerst der Farbstoff aus den Pflanzen extrahiert werden.

Schritt 2 -  Herstellen des Farbpigments
Der gewonnene Farbstoff muss auf einen Trägerstoff aufziehen, um daraus letztendlich die gewünschte Farbe herzustellen.

Schritt 3 - Herstellen der malfähigen Farbe
Das gewonnene Farbpigment wird je nach gewünschter Eigenschaft der Malfarbe mit unterschiedlichen Stoffen vermengt.

Anhang - Liste von Pflanzenteilen
Eine unvollständige Auflistung von Pflanzenteilen, welche sich zur Herstllung von Malfarben eignen.